Vanilla JS vs. Frameworks 2026: Zurück zu den Basics der Webentwicklung

AutorRedaktion
Veröffentlicht14. Februar 2026
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Visualisierung des Kontrasts: Links ein chaotischer Knoten aus Framework-Abhängigkeiten, rechts ein eleganter, einzelner Lichtstrahl für Vanilla JavaScript.
Visualisierung des Kontrasts: Links ein chaotischer Knoten aus Framework-Abhängigkeiten, rechts ein eleganter, einzelner Lichtstrahl für Vanilla JavaScript.

Ein npm install ersetzt kein Architektur-Verständnis. In einer Zeit, in der KI ganze React-Komponenten in Sekunden generiert, wird das tiefe Verständnis von nativem JavaScript zur echten Superkraft. Wir haben uns in einem goldenen Käfig aus Abhängigkeiten eingerichtet – doch moderne Browser machen diesen Ballast zunehmend überflüssig. Ein Plädoyer dafür, den "Fertiggericht"-Code hinter sich zu lassen und wieder wie ein Architekt zu denken.

Das Ende der "Dependency-Hölle"

Erinnern Sie sich an das Gefühl, als Sie Ihre allererste HTML-Datei im Browser geöffnet haben? Es war magisch. Sie schrieben <h1 style="color:red">Hallo Welt</h1>, luden die Seite neu, und der Text war rot. Es war direkt. Es war roh. Sie hatten die Kontrolle.

Spulen wir vor ins Jahr 2026. Heute beginnt ein "Hallo Welt" oft mit npm init, gefolgt von der Installation von 400 Megabyte an Abhängigkeiten, einem Build-Step, der fünf Sekunden dauert, und einer Konfigurationsdatei, die komplexer ist als der Code selbst. Wir haben uns einen goldenen Käfig aus Frameworks gebaut. React, Vue, Svelte, Angular – sie alle haben ihre Berechtigung, keine Frage. Aber in den letzten zehn Jahren haben wir etwas Entscheidendes verlernt: Das Kochen mit frischen Zutaten.

Wir sind zu einer Generation von Entwicklern geworden, die Fertiggerichte in die Mikrowelle schieben und sich Chefkoch nennen. Doch im Jahr 2026, in dem KI den Routine-Code schreibt, reicht das nicht mehr. Wer heute Architektur verstehen will, muss zurück zu "Vanilla".


Warum Frameworks zur Krücke wurden

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe Frameworks für Enterprise-Applikationen. Wenn Sie das nächste Spotify oder Facebook bauen, brauchen Sie das State-Management und das Virtual DOM (auch wenn das 2026 kaum noch nötig ist).

Ein Software-Architekt baut ein stabiles digitales Fundament aus nativen Browser-Standards, während im Hintergrund instabile Türme aus Abhängigkeiten wackeln.
Die Architektur des stabilen Webs

Aber seien wir ehrlich: Für 80 % der Webseiten – Marketing-Pages, Blogs, Unternehmensportfolios – war der Einsatz von schweren JavaScript-Bibliotheken schon immer, als würde man mit einem Sattelschlepper zum Brötchenholen fahren.

Das Problem ist die Abstraktions-Schicht. Jedes Framework legt eine Decke über die eigentliche Browser-Technologie. Wenn etwas kaputtgeht, debuggen Sie nicht Ihren Code, sondern den Code des Frameworks. Sie kämpfen gegen Version-Konflikte und "Breaking Changes".

Ich erinnere mich an ein Projekt im letzten Jahr: Ein einfaches Kontaktformular funktionierte nicht mehr, weil ein Update in einer Unter-Unter-Bibliothek (Dependency of a Dependency) die Art und Weise veränderte, wie Events gefeuert wurden. Ich verbrachte vier Stunden damit, die package.json zu fixen. In Vanilla JS wären es drei Zeilen Code gewesen. Drei.

Der Browser ist das Framework (2026 Edition)

Das Argument "Aber Vanilla JS ist zu kompliziert" gilt heute nicht mehr. Die Web-Standards haben aufgeholt. Was wir früher mühsam mit jQuery oder Lodash lösen mussten, ist heute nativ im Browser verankert.

Ein minimalistischer Arbeitsplatz mit einem Monitor, der sauberen, rohen Code ohne komplexe Build-Tools anzeigt.
Fokus auf das Wesentliche: Der Vanilla Workflow

Sehen wir uns die Realität der Web-APIs im Jahr 2026 an:

  1. State Management ohne Redux: Mit der nativen Signals API (die mittlerweile in allen Evergreen-Browsern Standard ist) können wir Reaktivität erzeugen, ohne auch nur ein Byte Bibliothek herunterzuladen.

  2. CSS ist mächtig geworden: Erinnern Sie sich an die Zeit, als wir JavaScript brauchten, um Elemente basierend auf der Container-Größe zu stylen? CSS Container Queries haben das komplett eliminiert.

  3. Web Components: Wir können wiederverwendbare Komponenten (<mein-button>) bauen, die überall funktionieren – egal ob später React, Vue oder gar nichts drumherum läuft.

Ein Beispiel aus der Praxis

Nehmen wir an, wir wollen ein einfaches Accordion (aufklappbarer Text) bauen.

Der Framework-Weg (Mentaler Overhead): Sie müssen eine Komponente erstellen, einen State für isOpen definieren, einen Click-Handler binden, conditional rendering für den Inhalt schreiben und sicherstellen, dass das CSS-Modul korrekt importiert wird.

Der Vanilla-Weg 2026 (Eleganz): Wir nutzen das native HTML-Element <details> und <summary>.

HTML

<details class="meine-akkordeon-box">
  <summary>Warum Vanilla JS lernen?</summary>
  <div class="inhalt">
    Weil es Sie zu einem besseren Architekten macht.
    Sie verstehen, wie der Browser rendert, nicht wie das Framework rendert.
  </div>
</details>

Kein JavaScript. Kein State. Volle Barrierefreiheit (Accessibility) ab Werk. Der Browser erledigt die Arbeit für uns. Das ist Green IT in Reinform: Weniger CPU-Zyklen beim Client, weniger Energieverbrauch.

Vom Konsumenten zum Architekten

Hier liegt der Kern meiner These für Entwickler im Jahr 2026: KI-Assistenten wie Copilot können Framework-Code schreiben. Sie sind exzellent darin, Boilerplate-Code für React-Komponenten zu generieren. Das ist keine Kunst mehr.

Die Kunst – und damit Ihr Wert als Senior Developer – liegt im Verständnis der Fundamente. Wenn Sie wissen, wie der Critical Rendering Path des Browsers funktioniert, können Sie Performance-Probleme lösen, an denen Framework-Nutzer verzweifeln. Wenn Sie Vanilla CSS beherrschen, sind Sie nicht auf Bootstrap oder Tailwind angewiesen, um ein Design umzusetzen.

Es ist wie in der Architektur: Ein Fertighaus aufzustellen geht schnell. Aber wenn der Boden absackt, brauchen Sie jemanden, der etwas von Statik, Beton und Fundamenten versteht. Vanilla JS ist dieses Fundament.

Zusammenfassung

Die Mischung macht das Gift Sollten Sie morgen alle Ihre Frameworks deinstallieren? Natürlich nicht. Aber ich fordere Sie heraus: Starten Sie Ihr nächstes Projekt "nackt". Nutzen Sie keine Build-Tools. Schreiben Sie HTML, CSS und JS in separate Dateien. Spüren Sie den Schmerz, wenn Sie DOM-Manipulationen manuell machen müssen – und dann spüren Sie die Befreiung, wenn Sie merken, wie unfassbar schnell Ihre Seite lädt. Lernen Sie Frameworks, um im Job produktiv zu sein. Aber lernen Sie Vanilla, um den Job zu verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Vanilla JS nicht viel langsamer in der Entwicklung?+
Anfangs ja, weil Sie keine vorgefertigten UI-Kits haben. Aber langfristig sparen Sie enorm viel Zeit bei der Wartung. Code, den Sie vor 10 Jahren in Vanilla JS geschrieben haben, läuft heute noch. Ein Angular-Projekt von vor 5 Jahren? Viel Glück beim Starten.
Brauche ich Vanilla JS, wenn ich nur WordPress mache?+
Gerade dann! Moderne CMS setzen immer mehr auf "Headless"-Ansätze oder schlanke Frontends. Wenn Sie ein WordPress-Theme ohne jQuery bauen können, gehören Sie 2026 zu den Top 5% der Entwickler.
Wie gehe ich mit Kollegen um, die alles in Frameworks packen wollen?+
Fragen Sie nach dem "Warum". Lassen Sie sich nicht mit "Das macht man heute so" abspeisen. Fordern Sie eine technische Begründung. Wenn die Applikation komplexe Zustände verwalten muss: Framework. Wenn es nur darum geht, ein paar Bildergalerien anzuzeigen: Vanilla.
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